
©Stadtgemeinde Deutsch-Wagram
Das Heulen der Sirenen klingt seit meiner Kindheit gleich. Sind es etwa noch die Gleichen? Ist das Geheule zeitgemäß, geschweige denn notwendig? Oder doch nur eine lästige Lärmquelle?
Zu meiner Schulzeit hat die „Samstagssirene“ um die Mittagszeit unseren Wochenendbeginn eingeläutet. Ich hatte also durchwegs positive Assoziationen. Dennoch wäre es unseriös, die Bedeutung dieses bewährten Tools abzuwerten. Sie bietet die Möglichkeit, viele Menschen gleichzeitig aufhorchen zu lassen und für eine mögliche Gefahrensituation zu sensibilisieren.
Mit diesem Artikel möchte ich aber nicht über Sirenen sinnieren. Ich möchte Sie einladen, dem Thema Zivilschutz die gebotene Aufmerksamkeit zu schenken und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Erst im März habe ich die Agenden der Zivilschutzbeauftragten übernommen. Für mich bedeutet das, sich in einem seriösen Kontext der Frage zu widmen, welche Gefahren- oder Ausnahmesituationen eintreten können und diese zu bewerten, um präventive Maßnahmen zu treffen und Mensch und Infrastruktur vorzubereiten. Das hört sich hochtrabend an, ist es aber nicht. Ich bin mir sicher, dass Ihnen auf Anhieb ein paar Szenarien einfallen!
Im Vorfeld wurden bereits wertvolle Vorkehrungen seitens der Gemeinde getroffen, die ich im weiteren Verlauf beleuchten möchte, sowie die Maßnahmen, die Sie als Privatperson treffen können, um einen Ausnahmezustand bestmöglich und unbeschadet zu überstehen.
Was passiert im Ernstfall?
Die örtlich zuständige, übergeordnete Behörde (Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf/Land Niederösterreich) kann im Anlassfall eine Katastrophe ausrufen. Zur Bewältigung auf Gemeindeebene kann ein sogenannter „Stab“ eingerichtet werden. Als Einsatzleiter fungiert der Bürgermeister, die einzelnen Sachbereiche und die Leitung des Stabs werden von den Mitarbeiter*innen der Gemeinde übernommen. Im Ernstfall soll ein konsequentes und effizientes Management der vorliegenden Situation sichergestellt werden.
Bereits seit mehreren Jahren liegt in der Gemeinde Deutsch-Wagram ein Katastrophenschutzplan vor, der in Abstimmung mit dem niederösterreichischen Zivilschutzverband aus- und überarbeitet wurde. Dieser soll einen (Handlungs-)Rahmen bieten und enthält die wichtigsten Zuständigkeiten und Kontaktdaten sowie weitere wichtige Informationen.
Um die sogenannte „Stabsarbeit“ greifbar zu machen, wurde für interessierte Mitarbeiter*innen der Gemeinde zweimal eine Schulung durch den Bezirksstellenleiter des niederösterreichischen Zivilschutzverbands, Alfons Weiss, abgehalten. Am 29.10.2025 wurde zudem eine vierstündige Stabsrahmenübung zur praktischen Umsetzung durchgeführt. Simuliert wurde ein überregionales Blackout.
Was kann die Gemeinde?
Durch technische Anpassungen an mehreren Objekten der Stadtgemeinde können wesentliche Teile der Infrastruktur auch im Katastrophenfall weiterbetrieben werden. So kann beispielsweise die Frischwasser- und Abwasserwirtschaft über einen gewissen Zeitraum notstromversorgt betrieben werden, auch die Abfallwirtschaft soll weiter möglich sein. Die Mitarbeiter*innen der Gemeinde wurden proaktiv vorbereitet.
Was kann ich selbst?
Die Gemeinde kann vieles leisten. Das entbindet uns aber nicht von der Pflicht jedes Einzelnen, sich in entsprechender Eigenverantwortung ebenfalls vorzubereiten.
Die persönliche Fürsorge soll Ihre Grundbedürfnisse decken können und Sie bestmöglich über den Ausnahmezustand bringen.
Hier ein paar Anregungen:
- Treffen Sie Absprachen innerhalb der Familie! Wo treffen sich die Familienmitglieder im Falle eines Zusammenbruchs der Telefonnetze oder eines Stromausfalls? Wer könnte zusammenhelfen bzw. braucht in meiner Umgebung Hilfe?
- Sorgen Sie für einen latenten Wasser- und Lebensmittelvorrat für zumindest ein paar Tage!
- Achten Sie auf Ersatzbeleuchtung bei Stromausfall (Kerzen + Zünder, batteriebetriebene Leuchtmodule/Taschenlampen)
- Halten Sie ein stromunabhängiges Notfallradio bereit
- Schaffen Sie sich Ersatzkochgelegenheiten
- Halten Sie Ihre Hausapotheke aktuell. Bevorraten Sie persönlich verschriebene Medikamente, soweit möglich
- Stellen Sie ihr Auto nicht mit leerem Tank ab, um Ihre Mobilität aufrechtzuerhalten!
- Legen Sie einen Bargeldvorrat an
Ausblick
Mit Absolvierung der vierstündigen Übung hat die Stadtgemeinde Deutsch-Wagram die Kriterien für die Auszeichnung „krisensichere Gemeinde“ mit vier von fünf Sternen erfüllt. Die Übergabe der Auszeichnung erfolgte am 18.11.2025 in feierlichem Rahmen in St. Pölten. Im nächsten Jahr wollen wir uns durch Abhaltung einer ganztägigen Übung auch den fünften Stern holen!
In der nächsten Ausgabe der Gemeindezeitung möchte ich auf den Sonderfall „Blackout“ und die damit einhergehenden Einschränkungen eingehen. Dazu wird es auch einen Folder mit den wichtigsten Eckpunkten geben.
Habe ich etwas Wichtiges vergessen oder nicht erwähnt?
Gerne freue ich mich über Ihr Feedback oder Ihren Input unter marie-luise.klenner@vpdw.at
Zum Abschluss noch ein paar weiterführende Links:
Stay safe!
Marie-Luise Klenner